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Revier Bieber

Bergbau um Bieber im Nordspessart:

Der Bergbau in Bieber konzentrierte sich auf Metalle. Während die Förderung seit 1494 belegt ist, erbrachte die Verhüttung erst mit der Einführung moderner hüttentechnischer Anlagen durch die Familie Cancrin bedeutende Einkünfte. Unter Johann Heinrich Cancrin und seinen Nachfolgern wuchs Bieber zum größten Montanbetrieb im Spessart, der der hanauisch-hessischen Landesherrschaft zeitweise hohe Erträge einbrachte. Zu dieser Zeit, also zwischen 1741 und 1782, konnten die Verhüttungsbetriebe in Bieber an Größe und Ausstattung mit zeitgenössischen Anlagen (z.B. im Mansfelder Kupfererzbergbau) mithalten.
Die Ausbeute von Silber setzte ein kompliziertes Verfahren zur Trennung des Silbers vom Gestein voraus, das sogenannte Saigern. Dabei wurden schlammhaltige Abwässer erzeugt, die bei Hochwasser die Felder im unteren Biebergrund überfluteten und dabei Umweltschäden anrichteten. Dies führte 1762 zu Protesten der Bauern gegen die Bergwerke. Unter Cancrin sollen im Jahresdurchschnitt unter anderem über 200kg Silber gefördert wurden sein. Die Landesherren, die Landgrafen von Hessen-Kassel, nützten dies zuz Prägung von Münzgeld, z.B. der sogenannten “Bieberer Taler”.
Der Kupfererzbergbau, auf den die Bergwerkstätigkeit in Bieber zurückgeht, brachte es im 18. Jahrhundert auf die Fördermenge bis zu 500kg im Jahr. Er wurde gleichzeitig mit der Silber.- und Bleigewinnung im Jahr 1803 wegen Unrentabilität eingestellt. Am lukrativsten gestaltete sich der Abbau von Kobalterz. Das Erz wurde zum größten Teil zum Blaufarbenwerk Schwarzenfels zwischen Spessart und Rhön geliefert. Dort wurde es zu Smalte verarbeitet, die bis nach Nordamerika verschickt wurde. Die Erträge aus der Kobaltgewinnung übertrafen die der übrigen Erze um mehr als das Doppelte und lagen bei etwa 20.000 Gulden jährlich. Der Kobalt.- und Nickelabbau wurde 1867 eingestellt. In der letzten Phase (1882-1925) des Bieberer Bergbaues wurden ausschließlich Eisenerz abgebaut.
Das hier verhüttete Eisenerz stammte aus dem Bieberer Bergbau. Es wurde meist oxidisches Eisenerz gewonnen, das überwiegend aus den Mineral Goethit besteht. Daneben wurde karbonatisches Erz Siderit (dem Spateisenstein der Bergleute), verhüttet. Bis heute finden wir in Bieber Überreste des Eisenerzabbaus und der Erzverhüttung. Zwar wurde der Hochofen 1875 ausgeblasen, doch existiert eine Zeichnung aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die im Vordergrund den Hochofen zeigt. Der einzige bis heute davon erhaltene Bauteil ist die Stutzmauer am linken Bildrand.

Bertha-Stollen
Aufgefahren ab Dezember 1908 durch die Friedrich Krupp AG. Dieser Stollen sollte die Förderung, Bewetterung und Wasserhaltung des Lochborner und Burgberger Revieres wesentlich verbessern und die Verbindung mit dem oberen Maschinenschacht nach 4.500m herstellen.
Bei Stillegung der Bieberer Gruben am 31. Mai 1925 war der untere Maschinenschacht (Wiesenschächtchen) bei 3.050m Länge erreicht.
Bergbau am Galgenberg (Grundäker Werk)
Folgt man dem Weg vom Kalkofen zur Bergkirche (Burgberg) durchquert man kurz vor der Höhe ein Bergbaugebiet welches sich wohl dem Grundäker Werk zuordnen lässt.
Den Spuren nach wurde hier im Tagebau und Tiefbau gefördert. Für den Mineraliensammler ist dieser Bereich fündig auf Baryt und Psilomelan.
Am Kalkofen
Noch 1965 wird an dieser Stelle ein Steinbruch betrieben  welcher wenige Jahre später verfüllt wurde. Ebenfalls verschwunden sind die baulichen Reste des einstigen Kalkofens. Nur noch der Flurname und dieser kleine Aufschluß im Zechsteindolomit legen Zeugniss ab.
Zugleich ist der Aufschluß sichtbarer Beleg für die geologische Situation im Untergrund. Bieber liegt auf der Nordwest-Südost verlaufenden so genannten Bieberer Hochscholle. Diese geologische Lage und der Taleinschnitt bedingen, dass mitten im Hochspessart die sonst von mächtigen Lagen von Buntsandstein bedeckten älteren Gesteine an oder nahe der Oberfläche anzutreffen sind.
Eisen-Mangan-Bergbau Lochborner Revier
Das wohl metasomatisch gebildete Eisen.- und Manganerz wurde im Lochborner Revier über Schächte bis in eine Teufe von ca. 150 m gefördert. Neben den Schächten wurde das Fe-Mn-Erz auch im Tagebau gefördert. Die geförderten Erze wurden mit einer Erzbahn nach Bieber zur Schmelze geliefert der Bergbau kam 1926 endgültig zum erliegen.
Kobalt-Bergbau im Lochborner Revier
Der Kobalt Bergbau konzentrierte sich auf die sogenannten Kobaltrücken  welche gangartige Lagerstätten sind die sich am Burgberg und im Lochborner NW - SO ausrichten.
Der 1. Lochborner Kobaltrücken lässt sich schön durch einen Halden.- und Pingenzug verfolgen. Teilweise  sind die Schachtküppel (Halden mit Schachtpinge) mustergültig erhalten.
Lochborner Kunstteich (Bergwerksteich)
Angelegt wurde der Lochborner Teich al Wasserreservoir für die Bergwerkmaschinen. Der Damm, über den heute der Weg führt, wurde erst in den letzten Jahren des 18. Jahrhunderts angelegt, um die Erze mit der Schmalspurbahn vom Abbaugebiet an die Lochmühle zu tranportieren. Der erste künstliche Staudamm stammt aus den siebziger Jahren des 18. Jahrhunderts; heute liegt der mit Büschen bewachsene kleinere Damm unterhalb der Querung.
Mit der Übernahme des Bergbaubetriebes durch die Familie Cancrin wurden die Abbaumethoden auf den modernsten Stand der Zeit gebracht. Ein Beweis für die filigrane Technik war die Konstruktion der sogenannten Kettenkunst zur Entwässerung der Stollen. Das zeitgenössische Wort “Kunst” steht hier für “Maschine”. Weitere wassergetriebene “Künste” gab es zum Betrieb von Pochwerken und für die Frischluftzufuhr.
Möglich wurden diese Neuerungen durch das Engagement der seit 1741 in Bieber tätigen Bergmeisterfamilie Cancrin. Dem ersten Bergmeister Johann Heinrich Cancrin folgten nach dessen Tod 1768 seine beiden Söhne Johann Philipp als Bergwerksleiter in Bieber und Franz Ludwig als Oberaufseher aller Bergwerke in der Grafschaft Hanau. Nach dem Ausscheiden der beiden Brüder im Jahr 1792 ging es mit dem Bergbau und dem Hüttenwesen bergab.
Oberer Kalkofen-Stollen
Der Wasseraustritt markiert die Lage des ehemaligen Oberen Kalkofen Stollen. Bis vor Ort hatte er ein Länge von 100m. Er löste die Wasser auf dem Kalkofer Kupferlettenflötz, das schon 1494 abgebaut wurde. da die Kupferletten an dieser Stelle stark einschossen und nach der Schmelze (Ortsteil von Bieber) hin immer geringer wurden, kam dieses Lettenwerk 1746 zum Erliegen.
Unterer Kalkofen-Stollen
Hier auf dem Grundstück des “Kasinos” befand sich der Untere Kalkofen Stollen. Die Alten trieben ihn wahrscheinlich in der Absicht, die Wässer auf dem Kalkofer Kupferlettenflöz, das schon 1494 in Gewinnung war, zu lösen. Sie erkannten aber bald, Dass die Erze an diesem Ort nicht anhielten und ließen ihn bald wieder liegen.
Bieber Schmelze (Eisenhütte & Kupfer-Silberhütte)
Die Bieberer Eisenhütte wurde zunächst mit Rennfeuern betrieben, die 1702 durch den Bau einer Rohhütte mit zwei Krumöfen und einer Wäsche sowie einem Rösthaus abgelöst wurden. Der erste Hochofen wurde 1726 angeblasen, dem ein Form.- und Gießhaus mit Schlackenpochwerk angeschlossen wurden. Der zweite wesendlich größere Hochofen folgte im Jahre 1824, der die Jahresproduktion von 2-3000 Ztr. auf 20000Ztr. steigerte. Die Bieberer Hüttenreise dauerte jeweils 18-24 Wochen. Im März 1875 wurden die Hochöfen ausgeblasen und das preuß. Hüttenamt aufgelöst.
Die Bieberer Kupfer.- und Silberhütte ist seit Ende des 15. Jahrhunderts bekannt. Und wurde unter dem Bergmeister J.H.Cancrinus wesentlich ausgebaut und hatte Mitte des 18. Jahrhunderts folgende Einrichtungen:
1 Röst.- und 1 Schlieghaus, 1 Rohhütte mit 2 Hochöfen nach mansfelder Art und 1 dreistemeliches Stübepochwerk, 1 Saigerhütte mit 1 Treibofen, 1 Verblasofen, 1 Garherd, 1 dreistempeliches Stübepochwerk und 1 Laboratorium.
Die Jahresproduktion betrug 400-500 Ztr. Kupfer, 200-300 Ztr. Blei und 140-230 Ztr. Silber. Das Kupfer wurde von Kupferhämmern im Raume Frankfurt weiterverarbeitet und aus dem Silber wurden z.T. Bieberer Taler geprägt. Die Kupfer-Silber-Schmelzhütte wurde 1806 stillgelegt.
Steinernes Haus
Das Steinerne Haus früher Repräsentantenhaus genannt wurde ende des 18. Jahrhunderts erbaut.
- Geburtshaus von Prof. Dr. Hugo Bücking (1851 - 1932)
- Unterkunft für Inspektionsbeamte und hochgestellte Besucher
Ehemaliges Hüttenamt
- 1822 erbaut, Hüttenamt sowie Wohnung des Bergmeisters und  Hüttenvogts
“Kasino”
- diente der “Kasinogesellschaft zu Bieber” (Bieberer Honorationen und Bergbeamte) im 19. Jahrhundert als geselliger Treffpunkt.
Pfandgraber Kobaltpochwerk
Es wurde 1775 nach Plänen des Bergmeisters Johann Philipp Cancrin erbaut. Die geringeren Kobalterze von den fünf Kobaltgängen im Lochborn wurden hier mit einem sechsstemelichen Pochwerk gepocht und anschließend auf drei Schlämmgräben geschlämmt. Das Waschen des Schlieges erfolgte auf Kehrherden. Die aufbereiteten Erze wurden zum Blaufarbenwerk Schwarzenfels gefahren. Im Jahr 1867 kam der Kobaltabbau zum Erliegen. Letzter Kobalwerksaufseher war Paul Wolf.

Bildergalerien

Photos

Bergbau Revier Bieber, Nordspessart, Hessen, (D) (1) 31. Mai 2014 Steinernes Haus.JPG
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Bergbau Revier Bieber, Nordspessart, Hessen, (D) (3) 31. Mai 2014 Hüttenamt.JPG
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Bergbau Revier Bieber, Nordspessart, Hessen, (D) (9) 31. Mai 2014 Untere Kirche.JPG
Bergbau Revier Bieber, Nordspessart, Hessen, (D) (10) 31. Mai 2014 Ruhestätte von Berd Fröhlich Berginspektor.JPG
Bergbau Revier Bieber, Nordspessart, Hessen, (D) (11) 31. Mai 2014 ehemaliges Gasthaus Zum Hirschen.JPG
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Bergbau Revier Bieber, Nordspessart, Hessen, (D) (40) 31. Mai 2014 Reste der Burgwallanlage.JPG
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